Compliance: Ernst & Young veröffentlicht weltweite Korruptionsstudie

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young hat eine aktuelle Studie zur weltweiten Korruptionsentwicklung veröffentlicht.

Befragt wurden im Zeitraum von Oktober 2015 bis Januar 2016 weltweit 2.825 Unternehmen in 62 Ländern. In Deutschland nahmen 50 Unternehmen an der Umfrage teil.

Jedenfalls im Bereich Korruption ist Brasilien „Weltmeister“. 90 % der dort befragten Unternehmen gaben an, dass Korruption in ihrem Land „weit verbreitet“ ist. In Deutschland liegt der Wert bei 6 %. Spitzenreiter im positiven Sinne sind in diesem Bereich traditionell die skandinavischen Länder, welche für sich Werte von 0 % (Finnland) bis 4 % (Schweden) angegeben haben.

Diese Werte können in Einklang gebracht werden mit dem aktuellen Korruptionsindex von Transparency International für das Jahr 2015.

Für Unternehmen, welche viel ins Ausland exportieren, können solche Rankings wichtige Anhaltspunkte dafür sein, ob das betreffende Land ein sog. Korruptionshochrisikoland ist. In diesem Fall müssen im Bereich der Compliance besondere Verhaltensregeln definiert und Vorkehrungen getroffen werden, welche diesen Risiken gerecht werden.

98 % der befragten deutschen Unternehmen gaben an, bereits über interne Compliance-Regeln zu verfügen. Allerdings würden in nur zwei von drei Unternehmen Compliance-Verstöße auch sanktioniert. Laut der Umfrage soll es in den letzten zwei Jahren auch bei mehr als jedem zweiten deutschen Großunternehmen Bestrafungen wegen Verstößen gegen Compliance-Richtlinien gegeben haben.

Compliance-Richtlinien zu haben, aber Verstöße nicht zu sanktionieren, ist für die betroffenen Unternehmen besonders gefährlich. Sie dokumentieren damit, dass sie zwar wissen, etwas für die Compliance tun zu müssen, tatsächlich sich jedoch davor scheuen, die Regeln umzusetzen. Es entsteht der schädliche Eindruck, dass die Compliance-Regeln als bloßer „Papier-Tiger“ oder „Feigenblatt“ zur Imagepflege missbraucht werden oder schlimmer noch bestehende korruptive Strukturen decken sollen. Erfahrungsgemäß kommen solche selbsternannten „Saubermänner“ bei den Strafverfolgungsbehörden besonders schlecht an. 60 % der von Ernst & Young in Deutschland befragten befragten Unternehmen haben auch erkannt, dass Korruption und Bestechung in Deutschland von den Strafverfolgungsbehörden verfolgt und von den Gerichten verurteilt werden.

Für die Überprüfung der Einhaltung ihrer Compliance-Richtlinien nutzen die befragten Unternehmen die „klassischen Instrumente“ wie regelmäßige interne Audits, Untersuchungen externer Experten, Whistleblower-hotlines und spezielle Softwareprogramme. 82 % der in Deutschland befragten Unternehmen sehen ihre Wettbewerbsposition durch Compliance-Regeln nicht beeinträchtigt. Diese Einschätzung dürfte richtig sein, denn Compliance-Regeln dienen nicht nur der Imagepflege, sondern können auch dazu genutzt werden, Prozesse zu optimieren und Missstände aufzudecken. Sie tragen damit auch zu einem besseren Betriebsklima bei.

Die Umfrage von Ernst & Young zeigt damit, dass

- mittlerweile die meisten deutschen Unternehmen ab einer bestimmten Größenordnung über Compliance-Regeln verfügen, - diese Regeln aber auch umgesetzt und Verstöße sanktioniert werden müssen, - die Strafverfolgung im Bereich von Korruption und Bestechung in Deutschland grundsätzlich funktioniert und dass - die Einführung von Compliance-Programmen die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen nicht nur nicht beeinträchtigen muss, sondern sogar signifikant erhöhen kann.

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